Die Familia im Mittelalter

Anders als das deutsche Wort „Familie“ nahelegt, ist die mittelalterliche Familia kein auf Verwandtschaft basierender Verband. Vielmehr ist die Familie die Gesamtheit des Haushaltes einer (meist hochgestellten) Person, inklusive der direkten Verwandten und aller anderen Menschen, für die er oder sie Verantwortung trägt, sofern sie unter seinem oder ihrem Dach leben. Das schließt Mägde, Knechte, höhergestellte Angestellte und Bewaffnete ein, sowie temporär im Haus arbeitende Personen, die Frondienste leisten, aber sonst ein eigenes Zuhause haben, in dem sie leben.

Im Hochmittelalter hatte sich – in Westeuropa – in der familia ein patrilineares System durchgesetzt, in dem der Hausherr die Verfügungsgewalt über Menschen und Güter eines Hausahlts hatte. Obwohl verschiedene Aufageben unterschiedlichen Mitgliedern des haushalts zufielen, lag die finale Entscheidungsgewalt in seinen Händen.

Die Familie im heutigen Sinne, also die Blutsverwandten, bildeten den Kern der familia, um den sich der Haushalt organisierte. Diese cognati konnten dabei unterschidliche Verwandtschaftsgrade einnehmen, wie z.B. zur Ausbildung geschickte Neffen und Nichten verschiedener Verwandtschaftsgrade. Rechtliche Verbindungen, wie Mündel, gehörten dabei de facto zu den cognati.